RathausReport September 2019: Die Geschichte der Kolpingsfamilie 1945 bis 1951

Die Vorgeschichte

Im Jahr 1861 gründete der nach Fürstenfeldbruck zugewanderte Hammerschmiedgeselle Josef Schapperer den katholischen Gesellenverein Fürstenfeldbruck, der nach Adolf Kolping (1813 – 1865), einem Schuhmachergesellen, benannt wurde. Die Gründungsversammlung fand am 10. März 1863 im Gasthaus des Bierbrauers Johann Baptist Trappentreu in der heutigen Hauptstraße 14 statt. Der Verein war der 54. Kolpingverein in Bayern, bereits bei der Gründung traten ihm 35 Handwerksgesellen bei und nur ein Jahr später war die Mitgliederzahl auf 162 Personen angewachsen. Erster Präses wurde Johann Baptist Gunzelmann. Der Verein sollte wandernden Gesellen sozialen und sonstigen Halt geben.

Im Jahr 1871 fand die erste Fahnenweihe statt und im Jahr 1889 zog man in das neue Vereinslokal Jungbräu um. Im Jahr 1900 wurde der Präses erstmals durch den Bischof ernannt. Im Jahr 1906 wurde der Lehrlingsschutzverein gegründet. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg waren beispielsweise der Pfarrer Peter Graßl und der Konditor Josef Brameshuber Mitglieder des Vereins.

Im Jahr 1931 wurde das heutige Kolpingheim erworben. Im Jahr 1933 musste das Kolpingheim an die Kirchenverwaltung verkauft werden, trotzdem fanden weiterhin inoffizielle Zusammenkünfte der Vereinsmitglieder statt, seit dem Jahr 1939 ruhte das Vereinsleben wegen des Krieges weitgehend, ganz zum Erliegen kam es nicht, da die alten Meister und Gesellen den Verein weiter führten. Im nationalsozialistischen Deutschland wurden einige Mitglieder der Kolpingsfamilie verfolgt und in Konzentrationslager eingesperrt, vor allem im Rheinland.

 



Die Gründungsversammlung des Brucker Kolpingvereins fand 1863 im Gasthof des Bierbrauers Baptist Trappentreu statt.

Die Jahre 1945 bis 1951

Im Jahr 1945 wurde das Vereinsleben mit Genehmigung der amerikanischen Militärregierung wieder vollständig aufgenommen, ein Jahr später wurde Willi Herrmann Vorsitzender. Bei der Generalversammlung im März 1947 wurde die Vorstandschaft gewählt, es wurde Willi Herrmann zum Senior, Dr. Lorenz Lampl zum stellvertretenden Senior, Willi Brugglehner zum Kassier und Hans Hillebrand zum Schriftführer gewählt. Ebenfalls im März 1947 hielt Dr. Lampl einen Vortrag zum Thema Geschlechtskrankheiten. Im November 1947 hielt Josef Schwalber einen Farblichtbildervortrag, er führte Bilder aus der Heimat vor. Im Jahresbericht für das Jahr 1947 wurden nochmals die Ziele und Aufgaben des Vereins definiert: „Die Ziele und Aufgaben des kath. Gesellenvereins sind die Erziehung des jungen Menschen zum tüchtigen Meister, zu einem guten Christen und christlichen Familienvater, um aus ihm ein brauchbares Glied der menschlichen Gesellschaft zu machen“. Am Ende des Jahres 1947 hatte der Verein 223 Mitglieder, davon 43 aktive Mitglieder, 37 Altkolping sowie 143 passive – und Ehrenmitglieder.

Ein Jahr später richtete der Verein zu seinem 85. Stiftungsfest mit einer großen Handwerksschau aus. Bei der Generalversammlung im Januar 1948 wurde Präses Koop. Raab verabschiedet und eine neue Vorstandschaft gewählt. Diesem Vorstand gehörten u.a. Josef Schwalber als Senior, Helmut Kufer als stellvertretender Senior, Hans Warnke als Kassier und Hans Hillebrand als Schriftführer an. Im Februar 1948 hielt Stadtpfarrer Dr. Martin Mayr einen Vortrag zum Thema „Die geschichtliche Entwicklung der religiösen Lage in Palästina“. Im April 1948 referierte der Direktor der Stadtwerke Wagner über die Elektrizitätsversorgung in Fürstenfeldbruck, einige Tage später hielt H. H. Pater Ludwig einen Vortrag zum Thema „Kirchengeschichtliches über Fürstenfeld“. Im Jahr 1948 fanden außer der Generalversammlung 50 Versammlungen mit 1433 Besuchern statt, am Ende des Jahres hatte der Verein 214 Mitglieder. Im Jahr 1948 konnte die Kolpingsfamilie das Kolpinghaus von der Kirchenverwaltung zurückkaufen.

Im Jahr 1949 hielt der Lehrer Kachelrieß Vorträge zu religiösen und apolegischen Themen. Im März 1949 hielt der Leiter der Oberrealschule, Dr. Lindemann, einen Vortrag zum Thema „Zum Problem der Verwahrlosten“, im April referierte Polizeichef Herrmann über die Nachkriegskriminalität.

Bei der Jahresversammlung der Kolpingsfamilie im Januar 1950 wurden folgende Personen in den Vorstand gewählt: Albert Diemer, Willi Brugglehner, J. Mayer, Hanns Schwalber, Walter Tusche, Helmut Kufer, Rudi Schwarz, Rudi Raschke und Karl Hutterer. Im Januar 1950 hielt der Lehrer Georg Kachelriß einen Vortrag zum Thema „Das Handwerk in Alt-Bruck“. Im Oktober 1950 startete die Kolpingsfamilie eine Vortragsserie über „Meister erzählen aus ihren Wanderjahren“, den ersten Vortrag hielt Friseurmeister Heinrich Berger. Am 2. Dezember 1950 starb der frühere Präses H.H. Andreas Schmidhuber, er kaufte das Gesellenhaus. Im Jahr 1950 hielt der Verein 45 Vereinsabende mit 2090 Anwesenden und 22 Vorträge ab, der Mitgliederbestand betrug am Jahresende 208 Personen.

Im Februar 1951 wurde die Generalversammlung mit dem Lied „Ein Gotteshaus steht zu Köln am Rhein“ eröffnet, zum ersten Senior wurde Albert Diemer und zum zweiten Senior wurde Willi Brugglehner gewählt. Im März 1951 hielt der Lehrer Karl L. Leitl einen Vortrag zum Thema „Das Atom“. Im Jahr 1951 fand das 90jährige Stiftungsfest mit einer Diözesankonferenz statt, bei den Vorbereitungen wirkten beispielsweise August Skoff, Heinrich Berger, Franz X. Steinbrecher, Johan Baptist Edin, Ludwig Kandler, Bernhard Pulfer mit, die Festschrift stellten der Lehrer Kachelrieß, Josef Wagner und Josef Schwalber zusammen.

Bei den Feierlichkeiten sprach auch der bayerische Staatsminister für Unterricht und Kultus, Dr. Josef Schwalber. Er führte u.a. aus: „Es scheint mir an der Zeit zu sein, in aller Öffentlichkeit auf die Gefahren einer gewissen Demokratie hinzuweisen, wenn sie nicht abgleiten will in die bloße Demagogie, an deren Ende die Tyrannis steht“. Über 60 Vereine mit mehr als 120 Delegierten aus Oberbayern, der Erzdiözese und darüber hinaus nahmen an den Veranstaltungen teil. Teilnehmer waren beispielsweise Landrat Raadts sowie die beiden Bürgermeister Neumeier und Plonner, alle Redner sprachen ihre Anerkennung für die Arbeit der Fürstenfeldbrucker Kolpingsfamilie für deren Arbeit auf kulturellem, sozialem und gesellschaftlichem Gebiet aus.

Die zentrale Festveranstaltung fand in der Jahnhalle statt. Landespräses Friesinger hob die Namen hervor, die in Fürstenfeldbruck und Umgebung der Forderung nach Hinaustreten der katholischen Gesellen ein Programm bedeuteten, er nannte die selige Edigna, Julius Langbehn und Hans Dexl. Friesinger bezeichnete Langbehn als Herold echter Demokratie und als Vorbild der Freiheit der Sprache und der Kritik. Dies war eine Fehleinschätzung Langbehns, außerdem unterschlug Friesinger den Antisemitismus von Langbehn. Beim Festabend waren u.a. der Generalsekretär der Katholischen Gesellenvereine Deutschlands, H.H. Plettenberg und Landespräses Friesinger anwesend. Im Jahr 1951 fanden 47 Vereinsabende statt, die von rund 1800 Personen besucht waren. Im gleichen Jahr wurde die Bezeichnung Kolpingsfamilie eingeführt. Im Jahr 1951 hatte der Verein 196 Mitglieder. Im November 1951 referierte Pfarrer Bayerl über „Als Feldgeistlicher in Russland“.

Redaktioneller Hinweis: Der Beitrag ist ein Vorabdruck aus „Stadtgeschichte Fürstenfeldbrucks 1945 bis 1990“, die von Stadtarchivar Gerhard Neumeier geschrieben wird und nächstes Jahr erscheint.




zurück zur Übersicht


» nach Oben

Stadt Fürstenfeldbruck
Hauptstr.31
82256 Fürstenfeldbruck

Stand: 01/23/2020
Quelle: