RathausReport Januar 2019: Die Polizeischule nach Kriegsende bis Anfang der 1960er Jahre

Nach dem Ende des NS-Regimes wurde die Polizeischule zunächst geschlossen. Im Juli 1945 übertrug die Alliierte Militärregierung der Stadt Fürstenfeldbruck die Verwaltung der ehemaligen Offizierschule der Ordnungspolizei Fürstenfeldbruck. Der Besitz der ehemaligen Offizierschule war sehr umfangreich und umfasste beispielsweise das Hauptgebäude, das Nebengebäude, das Verheiratetengebäude, das Krankenhaus, die Turnhallte, eine Kläranlage, den Sport- und Übungsplatz Fürstenfeld, das Übungsgelände, ein Schwimmbad beiderseits des Amperarmes mit Insel, den Exerzierplatz Maisach, den Schießplatz Rothschwaig sowie einige weitere Grundstücke in Fürstenfeldbruck, so beispielsweise die Luitpoldstraße 9, die Maisacherstraße 52 und die Aicherstraße 6.

Im Oktober 1945 überwies die Kreis- und Stadtsparkasse Fürstenfeldbruck im Auftrag der Militärregierung das Guthaben der Polizeischule von fast 800 000 Reichsmark auf ein Postscheckkonto in München. Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich in der ehemaligen Polizeischule das Kriegsgefangenenlazarett Fürstenfeldbruck.

Im September 1945 beantragte der kommissarische Bürgermeister Anton Uhl beim Regierungspräsidenten von Oberbayern, in der ehemaligen Polizeischule eine höhere Schule einzurichten, da sich das Kriegslazarett im Abbau befinde. Zur Begründung führte Uhl an: „Die ganze Anlage und Raumeinteilung ist für diesen Zweck vortrefflich geeignet. Es ist alles vorhanden, was für einen solchen Schulbetrieb notwendig ist, wie grosse helle Schulräume, Wandelgänge, Kirche, Turnhalle, Sportplätze, Schwimmbad, Krankenhaus, Grossküche, ruhige Lage usw. Auch sind für ein Internat genügend Räume vorhanden, um dort Schüler und Schülerinnen unterbringen zu können. Die Stadtverwaltung stellte daher den Antrag, das oben genannte staatliche Besitzum für eine höhere Schule in Aussicht zu nehmen … Fürstenfeldbruck hat eine sehr gesunde Lage, viele nahegelegene Mischwälder, saubere staubfreie asphaltierte Straßen und Plätze und ist zur Errichtung einer höheren Schule vorzüglich geeignet. Auch wäre ein Teil der Lehrkräfte am hiesigen Platz aufzubringen. Die Stadtverwaltung bittet daher, die Errichtung einer höheren Schule für Knaben und Mädchen in den Gebäuden der früheren Polizei-Offizier-Schule zu prüfen und diesem Wunsche der Stadt nach Möglichkeit zu entsprechen“.

Hierzu kam es jedoch nicht, denn ab dem Jahr 1946 war hier bis zum Jahr 1952 die Landpolizeischule untergebracht. Auch nach dem Kriegsende war die Ausbildung erneut stark militärisch bestimmt Die Polizeischule Fürstenfeldbruck nahm ab August 1946 ihre Arbeit wieder als Landpolizeischule auf, im Mittelpunkt des Unterrichts stand jetzt der kommunistische Feind im Osten. Auch das Vorgehen im geschlossenen Einsatz war weiter üblich, man übte mit Maschinengewehren und Handgranaten. Im Juni 1952 wurde das Polizeischwimmbad eröffnet. Vorausgegangen war eine fünfjährige Auseinandersetzung zwischen der Polizeischule und den Stadtwerken, bis schließlich unter Mitwirkung der Stadtwerke, des Landbauamtes, des Landratsamtes und der Bereitschaftspolizei das neue Bad entstand. Im Oktober 1952 wurde Polizeirat Stock der neue Kommandeur der hier stationierten Bereitschaftspolizei. Er diente ab dem Jahr 1928 bis zum Jahr 1935 als Offizier bei der Bayerischen Landespolizei und nahm im Jahr 1949 wieder den Dienst bei der Landpolizei auf. Stock legte großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit der Bevölkerung von Fürstenfeldbruck. Im Jahr 1952 war die Landpolizeischule in Auflösung begriffen. Über die weitere Verwendung der Brucker Schule meinte er, dass die Schule wohl kaum aufgegeben werde.

Zum 1. Januar 1953 wurde die „Bayerische Polizeischule“ als eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Behörde errichtet. Im Polizeiorganisationsgesetz vom Oktober 1952 wurde das Polizeischulwesen im Freistaat Bayern neu geregelt. „Durch einen Entschluss des bayerischen Innenministeriums waren die einzelnen Lehranstalten von Land-, Grenz- und Bereitschaftspolizei ab Anfang 1953 in der „Bayerischen Polizeischule“ vereinigt, die dem Ministerium unmittelbar unterstand“. Die Schule umfasste folgende Lehrabteilungen: „Die Bayerische Polizeischule bestand nun aus den Standorten Ainring, Traunstein, Sudelfeld und Rothenburg sowie Fürstenfeldbruck, wo ab 1957 außerdem noch die Schulleitung ansässig war. Um ihre Kapazitäten von 160 auf 460 Ausbildungsplätze zu erhöhen, gab der Staat ab Mitte der fünfziger Jahre umfangreiche Erweiterungs- und Umbauarbeiten am Brucker Standort in Auftrag“.

Die Bayerische Polizeischule hatte die Aufgabe, Gesetzeshüter Bayerns aus- und fortzubilden. In der Nachkriegszeit fanden sich innerhalb des polizeilichen Ausbildungswesens einige Personen wieder, die bereits in der NS-Zeit dort tätig waren. Hierzu gehörten die beiden Polizeiräte Josef Deuringer und Hans Hösl, die beide im SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiment 18 gedient hatten. Hösl wurde stellvertretender Leiter der Bayerischen Polizeischule, er führte zugleich das „Ausbildungs- und Prüfungsreferat“. Er nahm dadurch Einfluss auf die Ausbildungsinhalte. In der Nachkriegszeit bestanden zahlreich Fächer und Inhalte fort, „die bereits seit den zwanziger Jahren existierten“. Die Ausbildung der Bereitschaftspolizei umfasste beispielsweise Körperschule, Waffen- und Schießausbildung, Praktischer Polizeidienst, Dienstunterricht, Lebenskunde, Staatsbürgerkunde, Geschichte, Erdkunde, Rechnen und Maschinenschreiben, also Fächer, die teilweise schon in der NS-Zeit unterrichtet wurden. Ab dem Jahr 1949 hielt die Schule Kurse für angehende Kommissare ab. Die Unterrichtsfächer untergliederten sich in sechs Gruppen: Rechts- und Gesetzeskunde, Kriminalistik, Allgemeinbildung, Körperausbildung, Einzelvorträge und Praktischer Polizeidienst. Der Fächerplan eines Lehrgangs aus dem Jahr 1949 beinhaltete einzelne Fächer der Weimarer Offiziersanwärterlehrgänge und Elemente von Himmlers Ordnungspolizei, war jedoch von militärischen Elementen befreit.

Seit dem Jahr 1955 veranstaltete die Bayerische Polizeischule staatsbürgerkundliche Kurzlehrgänge. Viele Referate beschworen abermals den Gegner im „Osten“, so beispielsweise bei zwei Kurzlehrgängen in Tutzing und Nürnberg, die sich unter anderem den „Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland 1917“ oder der „Dynamik des Bolschewismus“ widmeten. Im Jahr 1955 „kursierten innerhalb der bayerischen Ordnungsmacht noch immer Feindbilder und Vokabeln, die bereits in der Weimarer Republik und erst recht im „Dritten Reich“ geläufig waren“. Seit dem Jahr 1958 war die Bayerische Polizeischule dafür zuständig, alle Fortbildungsmaßnahmen bei der politischen Weiterbildung zu vereinheitlichen und fachlich zu beaufsichtigen. Die Polizei in Bayern orientierte sich nach der NS-Diktatur am bayerischen Militär des 19. Jahrhunderts. So entsprach der Polizeitruppendienst der Bereitschaftspolizei noch mindestens bis in die frühen 1960er Jahre der früheren Polizeitaktik und „sollte wie bisher den Anwärtern beibringen, wie sie im geschlossenen Verband zu agieren hatten“. Die bayerischen Polizeianwärter waren einem starken militärischen Drill ausgesetzt. Die Polizeischule Fürstenfeldbruck veranstaltete abseits des regulären Lehrbetriebs seit dem Jahr 1954 spezielle Kurse, die sich exklusiv der Polizeiverwendung widmeten, dabei kamen die Altlasten der Vergangenheit in der Aus- und Weiterbildung zum Vorschein. Auch in den Lehrgängen für den gehobenen Polizeidienst spielte die Polizeiverwendung eine wichtige Rolle. Der Stoffplan listete wie selbstverständlich den „Einsatz gegen bewaffnete Banden“ auf und an dieser Tradition änderte sich in den nächsten Jahren wenig. In den Jahren 1957 und 1958 übertrug das bayerische Staatsministerium des Innern die Fachaufsicht über die staatsbürgerliche Bildung in den staatlichen Polizeiverbänden der Bayerischen Polizeischule. Politische Bildung setzte sich laut Polizei in der Bundesrepublik Deutschland zum Ziel, „jene Substanz politischen Bewußtseins zu bilden, die alte Demokratien aus Herkommen, politischem Brauchtum und Lebensart als Konzentrat ihrer Geschichte einbringen können“. Die Polizeischule Fürstenfeldbruck blieb jedoch im Lauf der Zeit nicht von den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen unberührt, vor allem die jugendliche Protestkultur wirkte auf die Polizeischule zurück. Die „Schwabinger Krawalle“ im Jahr 1962 führten bei der Ordnungsmacht langsam zu einem Prozess des Umdenkens. Es dauerte jedoch bis in die 1970er Jahre, bis die Polizeireformen nachhaltig wirkten.

Stadtarchivar, Dr. Gerhard Neumeier

 

 

 




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Stadt Fürstenfeldbruck
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Stand: 08/13/2020
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